Aber wenn es nass und grau und bäh ist, fällt es schwer, gute Seiten zu sehen. Besonders wo es dank Nachtschicht gerade insgesamt dünne mit Tageslicht ist.
Da ist was dran. Ich versuche dann immer, wenigstens am Abend vor der nächsten Schicht eine kleine Runde zu gehen, aber jetzt wird da die Zeit auch langsam knapp. Für mich ist dann ziemlich wichtig, dass ich durch das Radfahren wenigstens meine Frischlufteinheiten bekomme. Es ist ja nachgewiesen, dass Lichtmangel schon wegen der Hormone Probleme verursacht.
Als alter Erzgebirgler kann man da richtig nachvollziehen, wie das für die Bergleute gewesen sein muss, die dann auch von etwa Ende Oktober bis in den Februar kaum Licht gesehen haben und deswegen in der Tradition sehr viel Wert auf dieses legen.
Wobei mir im Grunde auch jede Jahreszeit recht ist, wenn nicht gerade so ein Backofensommer herrscht wie dieses Jahr. Da wir inzwischen auf der schwäbischen Alb auf ca. 700m wohnen, ist es auch da herrlich, wenn man aus der kochenden Stadt auf die Höhe kommt und dort im Schatten ein schönes Lüftchen weht.
Ein goldener Herbst wie jetzt, aber auch das Diesige im Spätherbst kann durchaus schön sein. Die melancholischen Nebeltage bieten sich doch an, um vielleicht auch in seinem Inneren mal herunterzufahren und in seiner Mitte etwas Ruhe einziehen zu lassen. Das ist nur so eine Sache, die wir in unserer 24/7-Welt verlernt haben, in der scheinbar ständig etwas passieren muss. Es wird ja auch durch Medien gefördert, wo jeder Mumpitz zum Event hochgejazzt wird - für mich als eher Introvertierter eine echte Zumutung, der ich mit minimalen Nachrichtenkonsum und Abstinenz von S/M begegne.